Ein paar praktische Hinweise zum Sprachgebrauch    

 

Wie heißt die indigene Bevölkerung Nordeuropas auf Deutsch? Was ist Lappland? Was ist Sápmi? Was ist Skandinavien? Was ist der Norden?


  

Übersicht über   die Bezeichnung der indigenen Bevölkerung Nordeuropas

in verschiedenen Sprachen

      

Samische Sprachen

  



  

Nordsamisch

 


  

sápmelaččat


 


Skoltsamisch

  
  

säʹmmlaž

  


 


Lulesamisch

  
  

Samek

  


  

Pitesamisch

  
  

Sáme

  


  

Umesamisch

  
  

Sámit

  


  

Südsamisch

  
  

Saemie

  


      

Andere Finnougrische Sprachen

  



  

Finnisch

  
  

Saamelaisten

  


  

Ungarisch

  
  

Számik

  


  

Estnisch

  
  

Saamid

  


      

Indoeuropäische Beispiele

  

 


  

Norwegisch

  
  

Samene

  

 

  

Schwedisch

  
  

Samerna

  

 

  

Dänisch

  
  

Samer

  

 

  

Deutsch

  
  

Samen

  

 

  

Englisch

  
  

Saami

  

 

  

Niederländisch

  
  

Saamen

  

 

  

Französisch

  
  

les sames

  

 

  

Spanisch

  
  

los samis

  

 

  

Russisch

  
  

саа'мы

  

 

 

Sápmi und die Samen - das Land und das Volk

Über die deutsche Bezeichnung für die Ursprungsbevölkerung Nordeuropas siehe weiter unten auf dieser Seite.



Norden: Ísland, Danmark, Suomi/Finnland, Norge, Sverige sowie Færøerne, Grønland und Åland sind "Die Nordischen Länder", Nordiska Ländorna, oder kurz in der bestimmten Form Singular: Norden (Finnisch: Pohjola). Der Norden – kulturell, politisch und wirtschaftlich zusammen geschlossen als Nordiska Rådet (der Nordische Rat), gebildet 1952.

 

Skandinavien, das ist die Halbinsel im Norden Europas, auf der die Staaten Norwegen und Schweden liegen, benannt nach dem sich über die ganze Länge hinziehenden Gebirge, die Skanden. (Geologisch das gleiche Gebirge, wie die schottischen Highlands.)


Mitunter möchte man auch Dänemark zu Skandinavien rechnen, wegen der historischen und kulturellen Gemeinsamkeiten. Aber dann müsste man konsequent auch Schleswig als zu Skandinavien gehörig bezeichnen (wenn nicht sogar die ganze Kimbrische Halbinsel bis zur Elbe, wonach dann der nordelbische Teil Hamburgs "Skandinavien" wäre).

 

Fennoskandien (Fennoskandischer Schild), das ist eine zusammenfassende Bezeichnung für die skandinavische Halbinsel, Finnland, Karelien und die Kolahalbinsel.  

 

Lappmarken, Finnmarken: Seit ungefähr dem neunten Jahrhundert war die Region, die wir heute "Sápmi" nennen, bekannt unter der Bezeichnung "Finnmarken". Für die Vikingarzeit um 900 u. Z. entnehmen wir den Sagas (besonders der Egils-Saga und der Heimskringla) für die Nordkalotte von Westen nach Osten die Bezeichnungen Halogaland, Finnmörk, Kvenland, Kirjalaland und Bjarmaland.


Ab ungefähr dem 13. Jahrhundert  erscheinen im Altschwedisch die Worte "lappa mark" und "lapmark" und man sagte damals im Schwedischen "lappar" zu den Samen, während man in Norwegen "finne" sagte, was noch in im Wort Finnmark weiterlebt. Beide Bezeichnungen wurden parallel benutzt und noch bis ins 17. Jahrhundert sprach man auch in Schweden von "finnvaror" und "finnhandel" (Finnenwaren, Finnenhandel), wenn man Pelze, getrockneten Fisch, Flussperlen, Falken und so weiter meinte.  Aus der Egilssaga (Egils saga Skallagrímssonar) kennen wir die vom norwegischen König "lizensierten" Handelsfahrten des Torolv Kvällulvsson von Torgar in Halogaland unter den Namen finnferð und finnkaup (Finnfahrten und Finhandel).

 

Die Carta Marina des Olaus Magnus von 1539 wurde aus neun einzelnen Platten gedruckt und die Blätter in der Größe von je 56 cm X 42cm wurden auf textilen Untergrund geklebt und so zu einer Karte von 125 cm X170 cm Größe zusammengefügt. Die Einzelblätter sind nach großen Buchstaben geordnet und innerhalb jedes Blattes sind die Erklärungen in der zugehörigen „Kurze(n) Auslegung und Erklärung der neuen Karte des alten Gotenreiches und anderer Länder des Nordens“ mit kleinen Buchstaben gekennzeichnet.

 

Zur zweiten Tafel beginnen die Erklärungen mit den Worten: „B wird in eine Reihe kleiner Buchstaben unterteilt und umfasst vor allem zwei große Länder; Finnmarken, das zu Norwegen, und Westlappland, das zu Schweden gehört.“ Auf der Karte sind eingetragen „FINNMARCHIA“ und „LAPPIA OCCIDENTALIS“.

 

Die Erläuterungen der dritten Tafel beginnen: „C Unter diesem Buchstaben werden drei große Länder angezeigt, Scicfinnien, Biarmien und Lappland.“ Auf der Karte sind das „SCRICFINIA“, „BIARMIA“ und „LAPPIA ORIENTALIS“.

 

Südlich schließen sich auf den Tafeln E und F „BOTNIA OCCIDENTALIS“ auf der heute schwedischen Seite und „BOTNIA ORIENTALIS“ und „CARELIA“ auf der heute finnischen Seite an.

 

In meinem Exemplar der Carta Marina finden sich unter all‘ den vielen Ortsnamen und anderen Angaben auf der Karte etwas südlich der gedachten Linie „Troms“–„Chalis“ die Eintragungen „Domus Birkarorum“, ,„Berkara“ und „Qvenar“. In die Karte sind zudem finnische und schwedische Händler eingezeichnet, nämlich „Birkarla“ und „Kväner“ (finnisch Kainulaiset).

 

Bei Herder lesen wir: „Es ist ungewiß, wie weit hinab die Lappen und Finnen einst in Norwegen und Schweden gewohnt haben; das aber ist sicher, daß sie von den Skandischen Deutschen immer höher hinauf bis an den nordischen Rand getrieben sind, den sie noch itzt inne haben.“ J. G. Herder – Stimmen der Völker in Liedern. Zwei Teile 1778/79

 

Von "Rassenbiologen" (Ernst Häckel: "Natürliche Schöpfungsgeschichte", 1868), zu denen auch Rudof Virchow gehörte, wurden mit Beginn des 20. Jahrhunderts schiksalsschwere Vorstellungen über den "Wert" der "Rassen" etabliert, aus denen dann "wissenschaftlich begründete" Diskriminierungen und Maßnahmen hergeleitet wurden wie Zwangssterilisierung (die im Norden neben den Samen auch andere Minderheiten trafen wie Juden, Tornedalsfinnen und Behinderte; s. auch: Runcis, Maija: "Steriliseringar i folkhemmet", Södertälje, 1998). Das Wort "Lappe" wurde zum Schimpf- und Schandewort. (Im Deutschen: sing. ein Lappe, pl. die Lappen.)  

 

Neue Sprachregelung - Spätestens in den frühen achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann sich eine dem Wunsch der Samen folgende andere Sparachregelung durchzusetzen. Im Nordsamischen heißen die Samen sápmelaš, Plural sápmelaččat. Im Lulesamischen heißen die Ureinwohner Sápmis singular sabme, Plural samek. Heute benutzen wir im Deutschen sing. "der Same" / "die Samin", Pl."die Samen" / "die Saminnen", so abgeleitet aus den norwegischen und schwedischen Bezeichnungen (Sing.: same, Pl.: samer, bestimmte Form Plural (die Samen): samene bzw. samerna).  

 

- Siehe ausführlichen Artikel weiter unten

 

Eine Ableitung aus einer der samischen Sprachen oder dem Finnischen ins Deutsche als Singular: "Sami", Plural: "Sami“ wäre falsch, da Finnisch und die samischen Sprachen keine indogermanischen Sprachen sind und ganz anderen linguistischen Gesetzmäßigkeiten folgen (wir sagen ja auch nicht „Däni“, "Afrikani", "Poli" „Schweizi“ oder „Schwedi“).  

 

Im anglo-amerikanischen Sprachraum hat sich allerdings als Bezeichnung für die Samen eine aus dem nordsamischen Adjektiv "sami" abgeleitete Substantivform "the sami people" entwickelt,  "das samische Volk", verkürzt zu "the sami". Vergl. zum Beispiel Nordsamisch "Internašunála Sámi Filmaguovddáš", Englisch "International Sami Film Centre", Deutsch "Internationales samisches Filmzentrum" (mit Sitz in Guovdageaidnu / Kautokeino) oder "Sámi Duodji", Englisch "sami handycraft", Deutsch "samisches Handwerk". Eine solche Adaption verbietet sich eigentlich auch für das Englische, da die samischen  Sprachen ebenso wie das Finnische, keine indoeuropäischen Sprachen  sind.

 

Sápmi, ist das Siedlungsgebiet der Samen, der einzigen Ursprungsbevölkerung Europas im Sinne der UNO-Konvention ILO 169. Es umfasst die nördlichsten Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und der russischen Kola-Halbinsel. Die Samen geben als südlichsten Siedlungspunkt Röörovse/Røros in Ostnorwegen an. An der Westküste Norwegens beginnt Sápmi etwa bei Tronte/ Trondheim. Im Inland verläuft die gedachte Grenze über Jämtland/Härjedalen, Ååren/Åre, Staara/Östersund, Älvdalen und an der Ostseeküste von Södermamn über Sundsvall, Orrestaare/Örnsköldsvik und Ubmej/Umeå an der Ostseeküste nordostwärts bis nach Haparanda. Die Samen betrachten die Ostseeküste entlang des Bottnischen Meerbusens von Söderhamn in Schweden über Luleå, Haparanda und Tornio in Finnland als samisches Gebiet. Über Kemi und Kuusamo wird der Nordteil der Halbinsel Kola erreicht. Die Eismeerküste, Kirkenes in Nordnorwegen, das Nordkap, die Küste zwischen Romsa/Tromsø und Tronte/Trondheim sind samische Siedlungsgebiete.

 

Lappland ist, erstens, die schwedische Landschaft „Lappland“ (die nördlichste der 24 landskap) und, zweitens, die finnische Landschaft (maakunta) "Lappi", seit 2009 nahezu identisch mit der finnischen Provinz „Lapin Lääni“ (das nördlichste der zwölf lääni); manchmal zur Unterscheidung "schwedisch Lappland" und "Finnisch Lappland" (Suomen Lappi) gennannt. Auf der Carta Marina von 1539 als „Lappia occidentalis“ und „Lappia orientalis“ bezeichnet. In Norwegen gibt es kein „Lappland“; die alten Norweger, z. B. die Vikinger, nannten die Bewohner des Nordens „Finnen“ und deshalb heißt es in Nordnorwegen auf der Carta Marina von 1539 "Finmarchia" und auch heute noch „Finnmarken“ und „Finnmarks Fylke“. 

 

Samisches Verwaltungsgebiet: In den vier beteiligten Staaten sind gesetzlich die Rechte der samischen Urbevölkerung geregelt und in diesen Regelungen ist auch jeweils festgelegt, welche Kommunen „samisk förvaltningsområde(samisches Verwaltungsgebiet) sind; in Schweden zum Beispiel im Gesetz über nationale Minderheiten und Minderheitensprachen „Lag (2009:724) om nationella minoriteter och minoritetsspråk“. Dessen § 6 regelt, dass ”Med förvaltningsområdet . . . för samiska avses kommunerna Arjeplog, Arvidsjaur, Berg, Gällivare, Härjedalen, Jokkmokk, Kiruna, Lycksele, Malå, Sorsele, Storuman, Strömsund, Umeå, Vilhelmina, Åre, Älvdalen och Östersund.” Diese Gemeinden sind also "samisches Verwaltungsgebiet" im Sinne des schwedischen Rechts.

 

Die Renwirtschaft in Norwegen  ist geregelt im LOV 2007-06-15 nr 40: Lov om  reindrift, reindriftsloven  (Renwirtschaftsgesetz). Die schwedischen Reneigner sind  nach dem Rennäringslag (Renwirtschaftsgesetz) von 1971 in 51  Wirtschaftsgemeinschaften (samebyar) organisiert.  In Finnland gilt das Poronhoitolaki  von 1990 (Gesetz über Renhaltung).

     

Wie benennen wir im Deutschen die indigene Bevölkerung Nordeuropas?


Im Folgenden möchte ich darstellen, warum das so ist, und zwar aus formalen wie sachlichen Gründen und ob es Alternativen gäbe, zum Beispiel eine Benennung der Ursprungsbevölkerung nach einer Eigenbezeichnung.


Wie benennen wir im Deutschen die indigene Bevölkerung Nordeuropas?

 

In Deutschland schreiben wir nach den Amtlichen Regeln der Deutschen Rechtschreibung und so heißt die indigene Bevölkerung Nordeuropas „die Samen“, Singular „ein Same“.

 

Mit dieser formalen Regelung ist die Frage also beantwortet. Doch geben wir uns damit nicht zufrieden, denn jede formale Regelung bedarf einer sachlichen Begründung. Dies ist umso wichtiger, als immer wieder andere Versionen auftauchen, wie da sind Sámi, Sami, Saami, Saamen und sich auf eine rein formale Begründung für das richtige „Samen“ zu berufen, ist unbefriedigend.

 

Es ist also zu untersuchen, wie sich die indigene Bevölkerung Nordeuropas selbst nennt (wir suchen ein Endonym) oder auf welche Fremdbezeichnungen (Xenonyme) wir zurückgreifen müssen. Für die Übernahme ins Deutsche muss dann eine den linguistischen Regelmäßigkeiten der deutschen Sprache genügende Ableitung gebildet werden.

 

Endonym(e)

 

Ein Volk mit seiner Eigenbezeichnung benennen zu wollen ist sicher ein löbliches Anliegen. Aber dann dürfen die Samen auf keinen Fall „Sámi“ oder „Sami“ oder „Saami“ genannt werden, denn in keiner der (insgesamt zehn) samischen Sprachen und Dialekte ist dies die eigene Benennung der indigenen Bevölkerung Nordeuropas.

 

Die Samen heißen

(s. unten „C Übersicht über die Bezeichnung der indigenen Bevölkerung Nordeuropas“)

  

Nordsamisch

  
  

sápmelaččat

  
  

Skoltsamisch

  
  

säʹmmlaž

  
  

Inarisasmisch

  

Lulesamisch

  
  

Anarâš

  

Samek

  
  

Pitesamisch

  
  

Sáme

  
  

Umesamisch

  
  

Sámit

  
  

Südsamisch

      
  

Saemie

      

Sápmi lea namma sápmelaččaid árbevirolaš guovllus. Sápmi-sátni gávdno buot sámi suop­maniin. Dat vuolgá dan namas maid sámit ieža geavahit alcceseaset, sámit dahje sápme­­laččat. Ovdalaš áigge gohčoduvvojedje sápmelaččat iešguđetlágan namahusaiguin eará gielain, nu go «lapper» dahje «finner» dárogillii, «lappar» ruoŧagillii ja «lappalaiset» suoma­ gillii.

 

(Übersetzung aus dem Nordsamischen: Sápmi ist der Name des traditionellen samischen Gebietes. Das Wort Sápmi gibt es in allen samischen Dialekten. Der Name ist abgeleitet von dem Namen, den die Samen selbst auf sich selbst anwenden, „sámit“ oder „sápmelaččat“.  Früher wurden die Samen in anderen Sprachen mit verschiedenen Bezeichnungen genannt, wie ”Lapper” oder ”Finner” auf Norwegisch, ”Lappar“ auf Schwedisch, „Lappalaisset“ auf Finnisch.)

 

Aus den samischen Sprachen lassen sich also die Varianten Sámi, Sami, Saami als Bezeichnung für das Volk und seine Angehörigen nicht herleiten, denn in keiner der zehn samischen Sprachen und Dialekte sind dies die Eigenbezeichnungen der indigene Bevölkerung Nordeuropas.

 

Hier folgen noch einige Sprachbeispiele aus den samischen Sprachen mit den meisten aktiven Sprechern.

 

Nordsamisch


  

  Singular  

  
  

  Plural  

  
  

  nominativ     

  
  

  sápmelaš  

  
  

  sápmelaččat  

  
  

  akkusativ     

  
  

  sápmelačča  

  
  

  sápmelaččaid  

  
  

  genitiv

  
  

  sápmelačča

  
  

  sápmelaččaid

  
  

  illativ     

  
  

  sápmelažžii  

  
  

  sápmelaččaide  

  
  

  lokativ     

  
  

  sápmelaččas  

  
  

  sápmelaččain  

  
  

  komitativ     

  
  

  sápmelaččain  

  
  

  sápmelaččaiguin  

  
  

  essiv   

  
  

  sápmelažžan  

  
  

     

  

Einige Beispiele aus dem Nordsamischen:  

 
  

Nordsamisch

  
  

Schwedisch

  
  

Deutsch

  
  

same aetnam  

  
  

Sameland (Sapmi)  

  
  

Samenland   (Sapmi, Land der  Samen)  

  
  

Duottar- ja Sámemusea  

  
  

(Svenskt)   Fjäll-  och Samemuseum  

  
  

(Schwedisches)   Gebirgs- und Samenmuseum  

  
  

boazosápmelaš 

  
  

Renskötande Same  

  
  

renhütender   Same  

  
  

sápmesearvi  

  
  

sameföreningen

  
  

Samenverein

  
 

Um 1956 gab es in Finnland eine samische Zeitung mit Namen Sápmelaš" und die seit 1918 in Schweden erscheinende Zeitschrift der Samen heißt auf Schwedisch „Samefolket“.

 

Beispiele aus dem Lulesamischen:  

  

  Lulesamisch   

  
  

  Deutsch  

  
  

  Sábme, Plural Samek  

  
  

  Same, Plural Samen (vergl. Ungarisch „Számik“!)

  
  

  sáme  ja látte  

  
  

  Same und Norweger  

  
  

  sábmen viessot  

  
  

  als Samen leben  

  
  

  jåhttesábme  

  
  

  nomadisierender  Same  

  
  

  sámediggeválgga  

  
  

  Sametingwahl  (Wahl zum   Samenparlament)  

  
  

  sámegiella  

  
  

  Samisch  (die   Sprache)  

  
  

  sámegiella   ja suomagiella libá berajgiela  

  
  

  Samisch  und   Finnisch sind verwandt

  
  

  sámemánájgárde  

  
  

  Samenkindergarten  

  
  

  sámeálmmuk  

  
  

  Das  Samenvolk  

  
 

Beispiele aus dem Südsamischen:

  

  Südsamisch  

  
  

  Deutsch  

  
  

saemie

  
  

Same

  
  

saemieh                         

  
  

Samen

  
  

saemie vïrre

  
  

Samenblod

  
  

saemien-gïele  

  
  

(Süd-)Samensprache  

  
  

Saemie  åålmegebiejjie  

  
  

Samen-Nationaltag (6. Februar)  

  
 

Beispiele aus dem Pitesamischen:

Sábme = Same (Nomativ-Singular)

Sáme = Samen (Nomativ-Plural)

sámekultuvvra = Samenkultur

sameministrar = Samenminister

 

Skoltsamisch

Singular Same = säʹmmlaž

Plural Samen = säʹmmla

 

Umesamisch

Sámit = Samen

 

Beispiele aus Ostsápmi: 

Кӣллт са̄мь кӣлл (Kiillt saam' kiill) - Kildinsamisch (die Sprache) 

Куелнегк Соамет Соббар (Kuelnegk Soamet Sobbar - Versammlung der Kolasamen 

Guoládat (njárgga) sámiid searvi GSS - Samische Vereinnigung der Kolahalbinsel   

Murmánskka guovllu Sámesearvi (OOSMO) - Samische Vereinigung der Region Murmansk

Кӣллт са̄мь кӣлл (Kiillt saam' kiill) – kildinsamische Sprache

 

Wie kann es zu der falschen Annahme gekommen sein,

„Sámi“ sei „die Eigenbezeichnung“ der Samen?

 

Im Nordsamischen werden beim Beugen von Wörtern häufig die Binnenkonsonanten verändert; das nennen wir Stadieväxling. Diese „Stufenwechsel“ sind bedeutungsändernd! Dabei können Nomen ihre Bedeutung verändern vom Substantiv zum Adjektiv, Pronomen, Numerale oder Lokativ. Zum Beispiel

 

loddi = Vogel, wird zu lotti =  des Vogels

várri = Gebirge, wird zu váris = im Gebirge

boazu = Rentier, wird zu bohccuide = zum Rentier hin

Sápmi = Sapmi, (Sameland) wird zu sapmis = in Sapmi (in Sameland)

ruoktu = Heim, wird zu ruovttus = im Heim (zu Hause)

mánát = Kinder, wird zu mánáiguin = mit den Kindern

Girkonjárgga = (die Stadt) Kirkenes, wird zu Girkonjárggas Girkonjárgii = von Kirkenes nach Kirkenes

nuorra = Jugend, wird zu nuoras nurrii = von der Jugend für die Jugend

 

 

Das Wort „sámi“ ist der Genitiv des nordsamischen Wortes „Sápmi“ mit der Bedeutung „Sápmi zugehörig“ und es wird adjektivisch benutzt, also übersetzt als schwedisch und norwegisch „samisk“ und deutsch „samisch“. Zum Beispiel

 
  

Nordsamisch

  
  

Norwegisch oder Schwedisch

  
  

  Deutsch  

  
  

Sámi Duodji

  
  

samisk hantwerk

  
  

samisches  Handwerk  

  
  

Sámi allaskuvla

  
  

Samisk   høgskole

  
  

Samische   Hochschule

  

 

  
  

Internšunála Sámi   Filbmaguovddáš

  
  

Internationellt   samiskt filmsenter

  
  

Internationales  samisches   Filmzentrum (mit Sitz in Guovdageaidnu/Kautokeino)  

  
  

sámi siida

  
  

samisk flyttlag, hem,   läger

  
  

samischer Familien- und   Arbeitsverband, Heim, Lager

  

  

  
  

sámi rádio

  
  

samisk radio

  
  

Samischer   Rundfunk  

  
  

sámi silba gasskaágge

  
  

samisk silver i   medeltiden

  
  

samisches Silber im   Mittelalter 

  
  

sámi suop­maniin

  

 

  
  

samiska dialekter

  
  

samische Dialekte

  
  

sámi   Dáiddárráđđi

  
  

samisk   kunstnerråd

  
  

samischer   Künstlerrat

  
  

 

  

sámi   čáppagirjjálašvuohta

  
  

                                               

  

samisk skönliteratur

  
  

 

  

samische   Schönliteratur

  
 

Beachte den Unterschied von „samisch(es/er)“ zu „Same(n)- . . . „:

 

  

Nordsamisch

  

 

  
  

Schwedisch   oder Norwegisch

  
  

Deutsch

  
  

same aetnam  

  

 

  
  

Sameland (Sapmi)  

  
  

Samenland (Sapmi, Land   der  Samen)  

  
  

Sámerádio

  
  

Sameradio

  
  

Samenradio

  

 

  
  

Duottar- ja Sámemusea  

  
  

Fjäll-  och   Samemuseum  

  
  

Gebirgs- und Samenmuseum  

  

 

  
  

boazosápmelaš 

  

 

  
  

renskötande same  

  
  

renhütender   Same  („Renzüchter“)  

  
  

sápmesearvi  

  
  

sameföreningen

  
  

Samenverein

  
 

 

Die Samen in den nicht samischen Sprachen ihres Siedlungsgebietes Sápmi

(Norwegisch, Schwedisch und Finnisch)

 

Die Wörter „Sami“ (und „Sámi“ und „Saami“) sind auch in den nicht samischen Sprachen Norwegisch, Schwedisch und Finnisch keine Bezeichnung für die indigene Bevölkerung.

 

Finnisch

 

Ergäbe sich durch eine Ableitung aus dem Finnischen die Variante „Sami“ oder „Saami“? Samen leben auch in Finnland und wir könnten überlegen, aus dem Finnischen eine Bezeichnung für die indigene Bevölkerung Nordeuropas abzuleiten. Dies verbietet sich grundsätzlich, weil Finnisch keine indoeuropäische Sprache ist.

 

Wenn wir es trotzdem einmal überlegen und versuchen, kommen wir dennoch nicht auf „Sami“.

 
  

Deutsch

  
  

Finnisch

  
  

Same

  
  

saamelainen  (Protofinnisch *šämä)

  
  

Samen

  
  

saamelaiset

  
  

Ich bin Same

  
  

Olen saamelainen

  
  

Verband der Samen in Finnland

  
  

Suomen   saamelaisten keskusjärjestö

  
  

Samisches Filmschaffen

  
  

Saamelainen   elokuvanteko

  
  

Samisches Ausbildungszentrum in Inari/Ánar

  
  

Saamelaisalueen   koulutuskeskus

  
 

Vergl. auch "Suomen Lappalaiset vuoten 1945" (Die finnischen Samen bis 1945) von T. I. Itkonen (Helsinki 1948).

 

Also erschließt sich Sami“ nicht aus dem Finnischen.

   

Norwegisch oder Schwedisch

 

          

    Norwegisch     

  

Schwedisch

  
  

Deutsch

  
  

  indefinit Singular  

  
  

  en same  

  
  

en same

  
  

ein Same

  
  

  indefinit Plural  

  
  

  to samer  

  
  

två  samer

  
  

zwei Samen

  
  

  definite Form Singular  

  
  

  samen  

  
  

samen

  
  

der Same  

  
  

  definite Form Plural  

  
  

  samene  

  
  

samerna

  
  

die Samen

  
 

Es gibt auch keine „Sámi“ in den Sprachen Norwegisch und Schwedisch.

     

Xenonyme

 

Völker und ihre Angehörigen mit Xenonymen zu benennen, ist üblich. Wir Deutschen selbst werden von unseren Nachbarn als Allemands bezeichnet, obwohl wir längst nicht alle Allemannen sind. In Finnland heißen wir Saxalaiset, obwohl wir längst nicht alle Sachsen sind. Wir sagen auch nicht "le français/la française" (mit korrekter Betonung und korrektem Nasallaut), es heißt im Deutschen auch nicht „Nordmann“ für die Norweger und nicht „Íslendingur“ für die Isländer. Wir sagen Finnen statt „Suomen“. Auch nicht für die Basken benutzen wir eine Bezeichnung aus deren eigener Sprache. Wir müssten dann „Euskaldunak“ sagen, aber wir nehmen als Ausgangsform das lateinische Vascones bzw. das spanische Vascos oder das französische Basques. Wir sagen Ungarn statt Magyaren.

 

Ein seltenes Beispiel für eine Übernahme eines „Originals“ sind die Inuit“, Singular „ein Inuk“ und sie sind ein wunderbares Beispiel für die bei der Übernahme und dem Gebrauch entstehenden Fehler. Es wird wohl so gewesen sein, dass Europäer in Nordamerika bei den Algonquin (oder Algonkin?) fragten, wie denn die Völker und Stämme weiter nördlich hießen und die Antwort wird „Eskimo“ gewesen sein, was in der Sprache der Algonquin „Schneeschuhflechter“ bedeutet. So kamen diese Völker und Stämme zu ihrem Sammelnamen und erst viel später erkannten die Europäer, dass diese Eskimo verschiedene Sprache sprechen und gar keine eigne gemeinsame Bezeichnung für sich als Gesamtheit der Polarvölker haben. Als die Eskimo in Kanada selbstbewusst und stolz ihre Rechte als indigene Bevölkerung einforderten und erhielten, begannen wir, sie mit ihrem eigenen Wort Inuit, Singular Inuk, zu nennen. Wer sich allerdings nicht auskannte und sich auch nicht kundig machte, glaubte nun, Inuit sei die „Eigenbezeichnung“ für alle Polarvölker und würde „Eskimo“ als Sammelbezeichnung vollständig ablösen – was natürlich falsch ist, weil die Inuit nie mehr als ca. 60 % der Völker und Stämme der Polarregion ausmachten und weil damit die Yupik, Alutiiq, Inummaarriit, Inuvialat, Inupiat, Suxpiat, Yuget, Unangan, Aleuter (habe ich jemanden vergessen?) ihrer eigenen Namen beraubt würden; sie sind nämlich keine Inuit. Die Sammelbezeichnung bleibt also xenonym „Eskimo“.


Ein fast schon beschämendes Beispiel für den arroganten Umgang der Weißen mit den Eigennamen indigener Völker und Stämme sind die sogenannten "Thompsonindianer" in Nordamerika. Sie heißen Ntla'kyapmux und Utamqtamux. Das wird den Ethnographen wohl zu kompliziert gewesen sein und so sagten sie "die Indianer am Thompsonfluss" und noch einfacher "Thompsonindianer", und so sollte sich ein Teil der Salish sprechenden Völker nach einem britisch-kanadischem Händler des beginnenden 19. Jahrhundrets benennen lassen!

 

Ein bisschen Historisches

 

Das in früheren Zeiten im Deutschen gebräuchliche Xenonym für die indigene Bevölkerung Nordeuropas war „die Lappen“, Singular „ein Lappe“.

 

Seit ungefähr dem neunten Jahrhundert war die Region, die wir heute "Sápmi" nennen, bekannt unter der Bezeichnung "Finnmarken". Ab ungefähr dem 13. Jahrhundert  erscheinen im Altschwedisch die Worte "lappa mark" und "lapmark" und man sagte damals im Schwedischen "lappar" zu den Samen, während man in Norwegen "finne" sagte, wie es noch in dem Wort Finnmark weiterlebt. Beide Bezeichnungen wurden parallel benutzt und noch bis ins 17. Jahrhundert sprach man auch in Schweden von "finnvaror" und "finnhandel" (Finnenwaren, Finnenhandel), wenn man Pelze, getrockneten Fisch und so weiter meinte. Aus der Egilssaga kennen wir finnferð und finnkaup (Finnfahrten und Finnhandel).

 

Die Carta Marina des Olaus Magnus von 1539 benennt den Nordwesten Fennoskandiens als „Finnmarchia“, den Norden als „Lappia Occidentalis“ und den Osten als „Lappia Orientalis“.

 

Dem Lexicon Lapponicum Latino-Suecanumvon 1780 (Samisch–Latein–Schwedisch) entnehmen wir

„Same = gens Lapponica = Lappfolk“ und

„Samelats = Lappo = Lapp”

 

Im deutschen Sprachraum war „Lappe“ gebräuchlich.

 

Neben „Lappar“ und „finnar“ wurde immer auch "samefolket" und "samespråk" (in deutschen Übersetzungen "Samenvolk" und "Samensprache") benutzt, als Ableitung aus den Eigenbezeichnungen der Samen (vergl. beispielhaft Nordsamisch sápmelaš, Plural sápmelaččat und Lulesamisch sabme, Plural samek).

 

Die Abkehr von der Verwendung des Wortes „Lappen“ beschleunigte sich in den 1970er und den frühen 1980er Jahren rasant, einhergehend mit dem Erstarken des Nationalbewusstseins der Samen und dem Kampf für ihre Rechte als indigenem Volk. Zum Beispiel im Raum Jokkmokk (dem Gebiet, in dem ursprünglich Lulesamisch gesprochen wurde, in den aber durch die Zwangsumsiedlung von Samen aus dem Norden das Nordsamische eingewandert ist) etablierte sich als Eigenbezeichnung des Volkes im Lulesamischen „sabme“, Plural „samek“ und im Nordsamischen „sápmelaš“, Plural „sápmelaččat“ sowie „Sápmi (oder „Sáme Aetnam“) als Bezeichnung des gesamten samischen Siedlungsgebietes.

 

Aus den Eigenbezeichnungen der Samen für ihr Volk leiten sich heutzutage die norwegischen, schwedischen, und finnischen Namen für die indigene Bevölkerung Nordeuropas ab, nämlich

 

          

  

  Deutsch 

  
  

Schwedisch

  
  

Norwegisch  

  
  

Finnisch 

  
  

  indefinit Singular  

  
  

  ein Same

  
  

en same

  
  

   en same  

  
  

saamelainen

  
  

  indefinit Plural  

  
  

  zwei Samen

  
  

två  samer

  
  

to samer  

  
  

saamelaiset

  
  

  definite Form Singular  

  
  

  der Same

  
  

samen

  
  

   samen  

  

      

  

  definite Form Plural  

  
  

  die  Samen

  
  

samerna

  
  

   samene

  

      


Aus den dem Deutschen eng verwandten Nordischen Sprachen Norwegisch und Schwedisch leiten wir also die deutsche Bezeichnung für die indigene Bevölkerung des Nordens ab. (Mina vänner är samer. Samerna är Nordens ursprungsbefolkning“ = „Meine Freunde sind Samen. Die Samen sind die Ursprungsbevölkerung des Nordens“)

 

Als einige frühe Beispiele für den Übergang vom Lappen zum Samen im deutschen Sprachgebrauch erwähne ich Brockhaus, Handbuch des Wissens in vier Bänden, Leipzig, F. A. Brockhaus von 1923 und die 1923 erschienene deutsche Ausgabe von „Skouluk-Andaras – Berichte aus Lappland“ von Carl Schøen, sowie Ernst Mankers 1950 erschienenes „Menschen und Götter in Lappland“ jeweils mit „die Samen“ als Alternativbezeichnung für „die Lappen“. 1973 erschien in der DDR Alfred Otto Schwedes „Lappländisches Tagebuch“ mit den Schilderungen seiner Begegnungen mit den „Samen“ an der schwedisch-finnischen Grenze. 1977 übernahm auch „Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden“ die neue Benennung der Lappen unter den Stichworten „Samen – Name der Lappen in Norwegen und Schweden“, sowie „Samek – Eigenbezeichnung der Lappen“, ins Deutsche.

 

Spätestens in den 1980er Jahren war die Verwendung von „die Samen“ anstelle von „die Lappen“ auch im deutschsprachigen Raum allgemein etabliert. In den offiziellen deutschsprachigen Dokumenten der EU heißt das einzige indigene Volk Europas „die Samen“. Einige Beispiele im Anhang, ausgewählt aus verschiedenen Jahren, Genres und Medien, sollen zeigen, dass die „Lappen“ nunmehr durch die Samen ersetzt wurden.

 

Ethnologen, Religionswissenschaftler, Verfasser und Übersetzer von Sachbüchern und Romanen, das Schwedische Fjäll- och Samenmuseum Ájtte in Jokkmokk, das Svenska Institutet (SI), die Schwedische Botschaft in Deutschland, Journalisten, Reiseveranstalter und alle anderen benutzen heute in ihren deutschsprachigen Publikationen ganz allgemein und richtig "die Samen“. 

 

Für die indigene Bevölkerung Nordeuropas besteht ja auch gar keine Notwendigkeit, auf eines der verschiedenen  Endonyme zurückzugreifen, da uns die dem Deutschen eng verwandten Sprachen Norwegisch und Schwedisch zur Verfügung stehen. Außerdem müssten wir uns, um dem Bedürfnis nach Darstellung der Eigenbezeichnung der Samen gerecht zu werden, für eine Variante aus einer der zehn samischen Sprachen und Dialekte entscheiden oder jeweils die Bezeichnung benutzen, die dem behandelten Thema, der gemeinten Person oder dem beschriebenen Gegenstand entspricht, was dann gar nicht möglich wäre, wenn über die Samen in ihrer Gesamtheit gesprochen/geschrieben wird.

       

Bildung der deutschen Bezeichnung für die indigene Bevölkerung Nordeuropas

Ein bisschen Linguistisches

 

In der deutschen Sprache sind die Worte „Sami“ und „Saami“ als Bezeichnung für das Volk der Samen und für seine Angehörigen nicht bildbar. Wir bilden im Deutschen die Namen für fremde Völker und deren Angehörige nach den linguistischen Regelmäßigkeiten unserer indoeuropäischen deutschen Sprache. Die samischen Sprachen sind (ebenso wie das mit ihnen verwandte Finnisch) keine indoeuropäischen, sondern finno-ugrische Sprachen. Wir haben im Falle der Samen als Ausgangsform die Entsprechungen in den nordgermanischen Sprachen Norwegisch und Schwedisch zur Verfügung, (in deren Sprachgebiet die meisten Samen leben). Die Form "same" (ohne –i) ist beispielsweise schon seit Jahrhunderten in der Sprache und der Rechtschreibung des mit dem Deutschen sprachgeschichtlich verwandten Norwegisch fest etabliert, eben aufgrund lautlicher Regeln, die auch für modernes Deutsch gelten.  

 

Der Druckakzent auf der ersten Silbe der Wörter ist kennzeichnend für alle germanischen Sprachen. (mit Ausnahmen der druckschwachen Präfixe be-, ge-, ver- usw., und der Substantive auf langem -í, das im Nhdt. zu -ei geworden ist, z.B. meieri / Meierei). Auch die samischen Worte "sábme" und „sápmelaš“  haben eine deutlich druckstarke erste Silbe. Genau wie die norwegischen und schwedischen Wörter „same“.

 

Sowohl in prähistorischer wie auch in historischer Zeit hat in allen germanischen Sprachen dieser Druckakzent am Anfang der Wörter stark dazu beigetragen, dass die darauffolgenden druckschwachen Silben der Wörter lautlich ständig geschwächt wurden. Während in den älteren belegten germanischen Sprachen (Altniederdeutsch, Althochdeutsch, Altoberdeutsch, Altnorwegisch, Altschwedisch, Altenglisch) die druckschwachen Endungen noch gefärbte Vokale aufwiesen, wurden diese ungefähr zwischen 1000 u. Z. (in Deutschland) und 1350 u. Z. (in Norwegen und Dänemark) immer mehr reduziert. Wir sagen nicht mehr berun, sondern Bären, nicht mehr werthan, sondern werden, nicht mehr erthu, sondern Erde, kalbir wurde zu Kälber, húsir zu Häuser, vona themo zu von dem, gigngan zu gegangen. Im gesprochenen Deutsch wird dies sogar noch einmal reduziert, wenn wir sagen tragn“ statt tragen, „gehn“ statt gehen, essn“ statt essen. ("Sie isst kein ' ' Fisch!")

 

In den nordischen Sprachen haben sich druckschwache, gefärbte Vokale im Dänischen am wenigsten erhalten (wie im Deutschen sind sie dort verschwunden), dann folgt die norwegische Mundart im Raum Oslo (einige a-Endungen sind erhalten), dem nächst das Schwedische (Endungen auf -a und –o sind erhalten, aber auch die Schweden sagen schon lange nicht mehr „landit“, sondern "landet" und sprechen das t im Auslaut nicht mit), und endlich einige norwegische Mundarten, wo man auch bis heute einige der alten a-, o- und i-Endungen behalten hat.

 

Die druckschwachen Endungen von Substantiven auf ehemals -i enden also im Deutschen spätestens ab dem Mittelalter alle auf –e; wir sagen nicht mehr „langi“, sondern „Länge“. Im Deutschen kann es also nicht „Sami“ heißen. Im Deutschen muss es „ein Same“ und „die Samen“ heißen.

 

Auch mit der Aussprache des Wortes „Same“ bzw. „die Samen“ gibt es keine Probleme. Wer aus fremden Sprachen Worte wie „Safe“, „Salär“, “Salespromotion“, „Sampler“, „Server“ oder „Service“ übernimmt und  als deutsche Wörter benutzt, spricht auch in diesen Fällen das S im Anlaut stimmlos, und dass der Druck auf der ersten Silbe liegt, ist gemeingermanisch.

 

Ein Kontext, in dem das Volk der Samen mit Spermatophyten verwechselt werden könnte, ist nur schwer bis gar nicht vorstellbar. Homonyme oder Polyseme, also Worte mit mehreren Bedeutungen, sind im Deutschen nicht selten. Sogar ein Kinderspiel baut darauf auf, das „Teekesselchen“.  Die Bedeutung erschließt sich jeweils kontextual; niemand wird seine Mama auf eine Schraube aufdrehen wollen, einem männlichen Hühnervogel den Hals umdrehen, damit Wasser herauskommt oder kleine Ansiedlungen für schmutzige Stellen halten oder einen Spatz in der Hand einer Gehörlosen auf dem Dach vorziehen.

 

Die Deutschen sagen, "Franzose", "Schwede", "Russe", "Schotte" usw. und es gibt keinen Grund, es in Bezug auf die Samen anders zu machen.  Wir kennen allerdings auch die Formen "Spanier", "Italiener", "Norweger", "Engländer" und 1923 schrieb Leo Frobenius (bekannt durch seine „Kulturkreislehre“) in seinem Geleit zur deutschen Ausgabe von Carl Schøyens „Tre stammers møte: av Skouluk-Andaras beretninger“:  „ . . . im Brausen der unendlichen Forste, durch die die Samer im Wechsel der Jahreszeiten ihre Wanderungen legen.“


Nun haben wir die fachliche Begründung für die Amtlichen Regeln  

 

Die deutsche Rechtschreibung ist nachzuschlagen in den Werken, deren Herausgeber sich an die amtlichen Regeln der Deutschen Rechtschreibung halten, zum Beispiel im „Wahrig – Deutsches Wörterbuch“ oder im „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“. Die geltende Regelung ist niedergelegt im amtlichen Regelwerk vom Februar 2006; sie trat zum 1. August 2006 in Kraft, einige Nachträge sind aus dem Jahre 2010.

 

Die amtliche Rechtschreibung gibt für die indigene Bevölkerung Nordeuropas das Wort

 

"Same, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Betonung: Same

der Same; Genitiv: des Samen, Plural: die Samen"

 

Die indigene Bevölkerung Nordeuropas heißt also im Deutschen „die Samen“, Singular „ein Same“. Die amtliche Sprachregelung enthält kein Schlagwort „Sami“ und auch nicht „Saami“; dies sind keine deutschen Wörter.

 

Auch formal ist die Frage damit beantwortet, denn das ist keine „Empfehlung“ des Duden, sondern das ist verbindliche deutsche Rechtschreibung. Behörden, Schulen, Gerichte, Universitäten und der gesamte öffentliche Bereich sind an diese Rechtschreibung gebunden und Wissenschaftler, Journalisten, Verfasser und Verleger von Büchern, Autoren von Zeitungsartikel oder Broschüren für die Touristik und alle anderen halten sich an das amtliche Regelwerk.

 

Graphem-Phonem-Korrespondenz

 

Mit dem „Rat für die deutsche Rechtschreibung“ könnte allerdings diskutiert werden, ob die Schreibweise „Same/Samen“ den Graphem-Phonem-Korrespondenzregeln des Deutschen gerecht wird. Der wie ein accent aigu aussehende kleine Strich über dem a in den samischen Worten Sápmi, sápmelaš, sábme usw., die den Ableitungen in andere Sprachen zugrunde liegen, ist kein diakritisches Zeichen zur Angabe des Akzents (des Drucks, der in den samischen Sprachen immer auf der ersten Silbe liegt), sondern Á und á sind Sonderzeichen in samischen Alphabeten und in samischen Orthografien Zeichen für ein langgesprochenes A / a, also wie „aa“ im Finnischen und wie Saal und Haare im Deutschen. Von einigen Autoren wird die Version „die Saamen“ (eigenmächtig) benutz, wie etwa „Die Saamen: Das indigene Volk des hohen Nordens (The Saami: the indigenous people of the far north); presentation for the general public at the Stuttgarter Buchwochen, Joshua Wilbur, 27 November 2016“ und in „Bärenkult und Schamanenzauber. Rituale früher Jäger“, Begleitbuch zur Ausstellung des Archäologischen Museums Frankfurt/M., Verlag Schnell & Steiner Regensburg, 2015“.  Andererseits wird die Länge von A / a (wie auch e und o) im Deutschen nur in einer kleinen Gruppe von Wörtern durch Verdoppelung kodiert, sodass die Schreibweise mit einfachem a durchaus auch Regelkonform ist; vgl. Same mit Samen, Hase, Blase. (Für Leser, die die Historie eines möglichen Wortes „Saame“ nicht kennen, birgt diese Schreibweise die Gefahr der falschen Aussprache als „Sa-Ame“, und das evtl. noch mit stimmhaftem S.)

 

Schluss

 

Die Wörter „Sami“ und „Saami“ gibt es in der deutschen Sprache nicht. Sie sind auch nicht Eigenbezeichnungen der Samen in den samischen Sprachen. Sie sind auch nicht aus den im Siedlungsgebiet der Samen gesprochenen nicht samischen Sprachen Norwegisch, Schwedisch und Finnisch ableitbar. Wenn in deutschen Texten dies aus dem Englisch-Amerikanischen übernommen wird, ist das falsch, ein grober Fehler. Auch in Norwegen, Schweden und Finnland, also im Siedlungsgebiet der Samen,  sagt man nicht "Sami", sondern samene, samerna und saamelaiset. Im Ungarischen heißen die Samen "Számik", im Französischen "les sames", Dänisch "samer", Niederländisch "saamen", und so weiter.

 

„Die Samen“ (Singular ein Same) ist die deutsche Bezeichnung der in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der zu Russland gehörenden Kolahalbinsel lebenden indigene Bevölkerung Nordeuropas.  

       

Anhänge

 

A Quellen und Literatur

 

Rat für deutsche Rechtschreibung (Hrsg.) (2006): Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis: Amtliche Regelung. Gunter Narr Verlag Tübingen

 

Zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung ab 1. August 2006 – Nachtrag Juli 2011. Extra-Ausgabe des Sprach-Reports des Instituts für Deutsche Sprache Mannheim, Juli 2011

 

Wörterverzeichnis des Rates für deutsche Rechtschreibung auf

http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/rechtschreibung/regelwerk.html

 

Olaus Magnus: Die Wunder des Nordens. Erschlossen von Elena Balzamo und Reinhard Kaiser. Die Andere Bibliothek, Bd. 261. Eichborn, Frankfurt am Main 2006

 

Meisen, Karl (1961). Altdeutsche Grammatik I, Lautlehre. Stuttgart

 

Tschirch, Fritz (1971): Geschichte der deutschen Sprache. Berlin. 2., verbesserte Auflage

 

Pamp, Bengt (1978). Svenska dialekter. Natur och kultur-serien, 11. Stockholm: Natur o. kultur

 

Besch, Werner (Hersg.) (2000). Sprachgeschichte. Ein Handbuch Zur Geschichte der Deutschen Sprache und ihrer Erforschung; 2. Teilband. de Gruyter Mouton

 

Engstrand, O. (2004). Fonetikens grunder. Studentlitteratur, Lund

 

Petterson, Gertrud (2013). Svenska språket under sjuhundra år, Studentlitteratur, Lund

 

Lindahl, Erik und Öhrling, Johan (Hersg.) (2016): Lexicon Lapponicum eller lapsk ordbok från 1780. Moderniserad nyutgåva. Ord&visor Förlag.

 

Svonni, Mikael (2013). Sátnegirji. Davvisámegiela – ruoŧagiela. (Ordbok Nordsamisk – svensk), Čálliid Lágádus, Författernas Forlag (Wörterbuch Nordsamisch-Schwedisch / Schwedisch-Nordsamisch)

 

Sátnegirjjit, Nordsamische Wörterbücher der Universität Tromsø auf http://sanit.oahpa.no/

 

Wörterbücher des Sámediggi (Sameting): Sydsamiska, Lulesamiska auf http://ordbok.sametinget.se/

 

Wilbur, Josuha (2016) Pitesamisk ordbok samt stavningsregler. Samica. Freiburg i. Br. (und e-Post vom 13. 09. 2017)

 

Bartens, Hans-Hermann (1989). Lehrbuch der samischen (lappischen) Sprache. Hamburg

 

Svonni, Mikael. „Samiska språk“ in Stampe-Sletten, Iben (2004). Nordens språk med rötter och fötter. Nord 2004:8

 

Schøyen, Carl (1918). „Tre stammers møte: av Skouluk-Andaras beretninger“. Gyldendal

 

Schøen, Carl (1923) „Skouluk-Andaras – Berichte aus Lappland“, aus dem Norwegischen von J. Sandmeier, Eugen Diederichs Verlag Jena

 

Mankers Ernst (1950). „Menschen und Götter in Lappland“, übersetzt von Edzard Schaper, Morgarten-Verlag Conzett & Huber, Zürich

 

Schwede, Alfred Otto (1973). „Lappländisches Tagebuch“, Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Berlin (DDR)

 

Campbell, American Indian Languages: The Historical Linguistics of Native America, Oxford University Press, 1997.

B Einige Beispiele aus verschiedenen Jahren, Genres und Medien die zeigen, dass im deutschen Sprachgebrauch die „Lappen“ durch die Samen ersetzt wurden.

 

·         „Die Samen – Identität und Identitätskriterien“, Israel Ruong, übersetzt von Katharina Hüser, Ájtte, Svenskt Fjäll- och Samemuseum, Jokkmokk, 1985

·         „Ein samisches Kryptogramm“, Per Olaf Sundman, in Trajekt 6/1986, Otava, Klett-Cotta, Helsinki, Stuttgart, 1986

·         „Schamanen – Ekstase und Jenseitssymbolik“, Alfred Stolz, DuMont, Köln, 1988

·         „Valdemar Lindholm – Märchen und Sagen aus Lappland“, übersetzt von Sybille Bludau-Ebelt, Reclam, Leipzig, 1989

·         Brockhaus-Enzyklobädie, Band 19, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 1992

·         „Sápmi, Kunsthandwerk des samischen Volkes“ im Schloss Charlottenburg (Berlin), Rede des Politischen Beraters Steinar Petersen zur Eröffnung am 28. 06. 1993

·         „Die Samen, Volk der Sonne und des Windes“, Sunna Kuoljok, John-Erling Utsi, Ájtte, Svenskt Fjäll- och Samemuseum, Jokkmokk, 1995

·         „Samen“, Doris Stockmann, in: Finscher, Ludwig (Hrsg.) „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“, Bärenreiter/Metzler, Kassel/Stuttgart 1998

·         Zeitschrift der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. Nr. 90 - Mai 1998

·         „Hirtenkulturen im Norden Europas“, Vorlesung von Prof. Dr. Hans-Joachim Paproth, Institut für Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Sommersemester 2001

·         „Sápmi – das Land der Fischer, Jäger und Rentierzüchter“, Begleitheft zur Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein, Schleswig, 2001

·         „Die Zeit der Trommeln: Trommel und Religion der Samen“, von A. Westmann, J. E. Utsi, I. Feldbinder, übersetzt von Irmtraud Feldbinder, Ájtte, Svenskt Fjäll- och Samemuseum, Jokkmokk, 2001

·         „Die Entdeckung Lapplands. Die Forschungsreisen Carl von Linnes und Pierre Louis Moreau des Maupertuis in den 1730er Jahren“, Florian Wagner, Books on Demand, 2004

·         „Sprachen verschwinden“ von Robin Dittwald, Katharina Haude, Silvia Kutscher et. al., Gesellschaft für bedrohte Sprachen, Köln, 2007

·         „Die Samen der Kolahalbinsel - Über das Leben einer ethnischen Minderheit in der Sowjetunion“, Lukas Allemanns, Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main, 2010

·         „Der samische Einfluss auf die skandinavischen Sprachen.“ Jurij K. Kusmenko,: Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, 2. durchgesehene Ausg., Berlin, 2011

·         Entschließung des Europäischen Parlaments vom 20. Januar 2011 zu einer nachhaltigen EU-Politik für den hohen Norden (2009/2214(INI)) 52011IP0024

·         „Das ist Schweden“ von Emma Randecker und Rikard Lagerberg, übersetzt von Stefanie Busam Golay, Svenska Institutet, Stockholm, 2011

·         „Tatsachen: Samen in Schweden – Altes Volk mit der Arktis als Heimat“, Informationsbroschüre TS 23 des Svenska Institutet (Schwedisches Institut), November 2011

·         „Der Lappenkönig und die russischen Tschuden“, in „Märchen aus Lappland“, übersetzt von J. C. Poestion, Kindle Edition, Jazzybee Verlag, 2012

·         „Björnfesten - Das Bärenfest – Ein traditionelles samisches Zeremoniell“, Film nach dem Gemälde von Ossian Elgström, deutsche Version, Norrbottens Länsmuseum, Luleå, 2012

·         „Die Sprachpolitik des Europarats: Die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" aus linguistischer und juristischer Sicht“, Franz Lebsanft, Monika Wingender (Herausgeber), De Gruyter, 2012

·         „Die kulturelle Identität der Samen. Selbst- und Fremdwahrnehmung“, Fabienne Diergardt, Bachelorarbeit, Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, 2013

·         „Der Krieg in Lappland (1941-1945) als geteilte Erinnerungslandschaft“, Sirpa Ruoho, Books on Demand, 2013

·         „Tatsachen: Samen in Schweden – Erhalt indigener Kultur in der Arktis“, Informationsbroschüre TS 23, des Svenska Institutet (Schwedisches Institut), Februar 2014

·         „Nomadeblod – Zeit-Raum-Dynamiken in frühen Texten von Knud Rasmussen“, Hanna Eglinger in „Mobiler Norden – Mobilität aus skandinavistischer Perspektive“, herausgegeben von Antje Wischmann, Rombach Verlag, Freiburg i. Br., Berlin, Wien, 2014

·         „Der Traum, der wachsen muss“, Roger Willemsen, in Süddeutsche Zeitung-Magazin vom 16. 05. 2014

·         „Wie aus den Lappen die Samen wurden“, Martin Woker, Neue Züricher Zeitung vom 31.10.2014

·         „Die Hüter der Tundra“, Film von René Harder, W-film Distribution, Köln, 2015

·         „Unabhängigkeit!: Separatisten verändern die Welt“, Marc Engelhardt, Ch. Links Verlag, 2015

·         „Bärenkult und Schamanenzauber. Rituale früher Jäger“, Begleitbuch zur Ausstellung des Archäologischen Museums Frankfurt/M., Verlag Schnell & Steiner Regensburg, 2015, (benutzt „die Saamen“; s. o.)

·         „6. Februar 2017: Der Nationalfeiertag der Samen – http://www.swedenabroad.com/de-DE/Embassies/Berlin/Aktuelles--Veranstaltungen/Aktuelles/Der-Nationalfeiertag-der-Samen-sys/

·         „Die Samen, Finnlands Erste Nation“ - https://finland.fi/de/leben-amp-gesellschaft/die-samen-finnlands-erste-nation/

 
  

C Übersicht über   die Bezeichnung der indigenen Bevölkerung Nordeuropas

  

in verschiedenen Sprachen

      

Samische Sprachen

  




  

Nordsamisch

  
  

sápmelaččat

  



  

Skoltsamisch

  
  

säʹmmlaž

  



  

Lulesamisch

  
  

Samek

  



  

Pitesamisch

  
  

Sáme

  



  

Umesamisch

  
  

Sámit

  



  

Südsamisch

  

Inarisamisch

  
  

Saemie

  

Anarâš

  



  

 

  

Andere Finnougrische Sprachen

  




  

Finnisch

  
  

Saamelaisten

  



  

Ungarisch

  
  

Számik

  



  

Estnisch

  
  

Saamid

  



      

Indoeuropäische Beispiele

  

 



  

Norwegisch

  
  

Samene

  

 


  

Schwedisch

  
  

Samerna

  

 


  

Dänisch

  
  

Samer

  

 


  

Deutsch

  
  

Samen

  

 


  

Englisch

  
  

Saami

  

 


  

Niederländisch

  
  

Saamen

  

 


  

Französisch

  
  

les sames

  

 


  

Spanisch

  
  

los samis

  

 


  

Russisch

  
  

саам

  

 







D Exkurs ins Englische

 

Dán áiggi leanamma Sámi dahje Saami váldojuvvon atnui eŋgelasgielas, ja nu maiddái ohcangirjjiin ja máilmmeviidosaš álgoálbmot ovttasbarggus gos sámit leat aktiivvalaččat oassálastán.

 

Rafael Karsten hat wohl bereits 1955 einen Versuch gemacht, aus einer samischen Sprache eine englische Bezeichnung zu übernehmen, als er „The Religion of the Samek; Ancient Beliefs and Cults of the Scandinavian and Finnish Lapps“ (Leiden, E.J. Brill) veröffentlichte.

 

Im Englischen heißt es nun jedoch allgemein Saami, obwohl dies auch für die indoeuropäische Sprache Englisch eine falsche Adaption ist. Es dürfte durch einen Irrtum über die Bedeutung des nordsamischen Wortes „sámi“, dem Genitiv von „Sápmi“, entstanden sein, das zunächst als „the sami people“ benutzt und dann zu „the Sami“ verkürzt wurde. Die richtige Alternative „The Sames“ hat sich nicht durchgesetzt; Versuche hierzu gab es in der englischsprachigen Literatur (siehe "The Sames" oder "The Saames" zum Beispiel bei Gutorm Gjessing, 1956: „Mountain-Saames (Mountain-Lapps) Fishing at the Sea-Coast in the 17th and 18th Centuries” (ARCTICA, Studia Ethnographica Upsaliensia XI) und Israel Ruong, New York 1982: “Saamepoetry Modern Scandinavian poetry ... 1900-1975”) und Tom, G und Helle Snell, 1975, „Samish responses to process of nationel integration.” In: J. Boissevain und J. Friedl. He Gehue).

 

Die englische Orthographie ist morphophonemisch, das heißt, die Rechtschreibung folgt teilweise Phonem-graphem-Korrespondenzregeln und teilweise erschließt sich die Schreibweise nur aus der Morphologie, also gewissermaßen aus der „Geschichte des Wortes“, oder sie muss auswendig gelernt werden. Dies erschwert es Leseanfängern im Englischen ganz wesentlich, lesen (und schreiben) zu lernen. Um zu vermeiden, dass der Name falsch wie in „same“ – „gleich“ ausgesprochen wird, muss er mit aa geschrieben werden, als Folge des Great Vowel Shift, spätestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts, also seit dem Vokalwechsel zum modernen Englisch.

 

„Saami“ benutzen nun aber auch Samen immer dann, wenn Englisch im internationalen Kontext als gemeinsame Sprache (als Lingua Franca) dient, zum Beispiel bei ihrer Mitarbeit in internationalen Gremien der indigenen Bevölkerungen (Konferenzsprache, Suche im Internetz). In gleichen Zusammenhängen heißt es zum Beispiel auch Germany aber niemand wird deshalb in einem deutschen Text Germany schreiben – also auch nicht „Saami“, genauso wenig wie Brunswick, Munich, Cologne, Freecastle, Lower Saxony, Bavaria oder Lake Constance, denn all diese Orte liegen in keinem englischsprachigem Land und es besteht daher keine Notwendigkeit, sie in deutschen Texten mit englischen Transcripten zu benennen (Leipsic?).

 

Die Übernahme von Worten aus einer anderen Sprache erfolgt

1. gemeinsam mit dem eingeführten Begriff (Ackerbaugeräte in Sammler- und Jägerkulturen, Kaffee, Anorak)

2. zur Beschreibung dessen, was es bei uns nicht gibt (Savanne, Trekking)

3. als konformitätssuchende Strategie

 

Daraus ergibt sich kein erkennbarer Grund für eine Übernahme aus dem Anglo-amerikanischen ins Deutsche. Die Ursprungsbevölkerung Nordeuropas lebt in keinem englischsprachigen Land, wir Deutschen kennen die Samen als unsere nördlichen Nachbarn ohne englischsprachige Vermittlung, wir suchen in dieser Angelegenheit Konformität mit Nordeuropa.

 

Im Internetz kursieren aber dennoch falsche Versionen der Bezeichnung für die Samen. Wer möchte, dass seine Veröffentlichungen über Sápmi und die Samen durch Suchmaschinen im Netz gefunden wird, versteckt zu diesem Zweck mitunter die Worte Sámi, Sami, Saami, Lappland, Lappen auf seinem Platz im Netz. Siehe als Beispiel das Museum Europäischer Kulturen http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=direct/1/ResultLightboxView/result.t1.collection_lightbox.$TspTitleImageLink.link&sp=10&sp=Scollection&sp=SfieldValue&sp=0&sp=0&sp=3&sp=Slightbox_3x4&sp=12&sp=Sdetail&sp=0&sp=F&sp=T&sp=21




Mal was ganz Persönlisches:

 

Es gibt keine Veranlassung, meine samischen Freunde mit einem anglo-amerikanischen Wort zu benennen. Wir sagen  auch nicht „mountain“, sondern gáisi, bákti, čohkka, čorru, wir wohnen nicht im tippi, sondern im lavvu

 

Gerade wer sich mit Fragen von „Identität und Sprache“ befasst und sich für ethnische Minderheiten engagiert, legt Wert darauf ,Sprachen vor dem Verschwinden zu schützen und Sprache als identitätsstiftendenTeil von „Kultur“ zu erhalten. Schon genug Sprachen verschwanden und verschwinden seit der Industrialisierung und der Entfesselung der Ökonomie. Von den noch existierenden ca. 7.000 Sprachen sind an die 25 % vom Aussterben bedroht (Tatsuya Amano: Thriving economies, disappearing languages, September 2014). Deshalb werden staatliche, kommunale und private Programme aufgelegt, Minderheitensprachen an die kommenden Generationen weiter zu geben.

 

Wie bereits erwähnt: Die Übernahme von Worten aus einer anderen Sprache geschieht entweder zusammen mit der zu übernehmenden Begrifflichkeit (zum Beispiel Worte aus dem Ackerbau gingen in die Sprachen ursprünglicher Jäger- und Sammlerkulturen zusammen mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit und zu Ackerbau und Viehzucht) oder – wie Tove Bull (in „Språk och språkforhold i kontakttypologisk perspektiv“, Berlin 2007) zutreffend konstatiert – mit der Absicht, sich mit der Ausgangskultur eins zu fühlen und Zugehörigkeit zu erzeugen. Eine solche „Zugehörigkeit“ zur amerikanischen Kultur wünsche ich aber gar nicht; einer Kultur, die ihren "Erfolg" dem Völkermord und der Sklaverei verdankt (Henry Knox, erster Verteidigungsminister der USA, schrieb über den Genocid an der Ursprungsbevölkerung: "Our modes . . . have been more destructive to the Indian natives than the conduct of the conquerors of Mexico and Peru. A future historian may mark the causes of this destruction of the human race in sable colors" - zitiert nach North Callahan  (1958): Henry Knox: General Washington's General. New York: Rinehart, S. 337) Wer sich für indigene Völker engagiert, engagiert sich ja gerade für den Erhalt ihrer Kulturen und für eine weltweite kulturelle Vielfalt. Kulturelle Vielfalt beginnt damit, sich auf Unterschiede einzulassen und sich dem Plattwalzen durch beispielsweise den amerikanischen Kulturimperialismus zu widersetzen (und nicht auch noch ihm willig Vorschub zu leisten). Heinrich Heine träumte während seiner Studienzeit bei Hegel in Berlin von einem politisch vereinten Europa, das keiner Nationalstaaten mehr bedurfte, in dem aber die verschiedenen Kulturen ihre Eigenheiten und Eigenständigkeiten bewahren würden; “die schönen Besonderheiten“ nannte er das. Diese Formulierung war ihm gekommen, als ihm bei seinem Besuch in Polen die auch für ihn als deutschen Juden seltsam anmutenden „Besonderheiten“ der jüdisch-polnischen Kultur zu Herzen gegangen waren. (Heinrich Heine: Über Polen) Johann Gottfried Herder kommentiert zwei von Kleist nachgebildete „Lieder der Lappen“: ”Wahrlich so ist das menschliche Herz und die volle Einbildungskraft nie wirksamer als in den Naturgesängen solcher Völker. Sie öffnen das Herz, wenn man sie höret, und wie viele Dinge in unsrer künstlichen Welt schließen und mauern es zu!“ (Johann Gottfried Herder: Von Ähnlichkeit der mittlern englischen und deutschen Dichtkunst, nebst Verschiednem, das daraus folget). Wie viel wird heutzutage  durch die Globalisierung zugemauert?!

 

Einer der größten Freunde und Erkunder der „Lappen“, Ernst Mauritz Manker, hat in der Wissenschaftssprache seiner Zeit veröffentlicht, Deutsch, zum Beispiel "Die lappische Zaubertrrommel: eine ethnologische Monographie" (1938 – 1950). Heute ist Englisch die Lingua franka unserer Zeit und in Suchmaschinen und im internationalen Umgang verbreitet; auch Samen, die aktiv an internationaler Zusammenarbeit der Ursprungsbevölkerungen teilnehmen wissen, dass sie dort als „the Sami“ bezeichnet werden. Das ändert aber nichts daran, dass „Sami“ weder der Eigenname der Samen ist, noch die Bezeichnung für sie in einer der Sprachen in ihrem Siedlungsgebiet und auch nicht das deutsche Wort für die Ursprungsbevölkerung Nordeuropas. Es sind „Die Samen“, Singular „ein Same“.   

 

 

 

 

die Samen Sápmi Samerna
Die Samen - Erklärung in der Kurzversion

 

 

die Samen Sápmi Samerna Sápmelaš

 

 

   

 

Sápmilea namma sápmelaččaid árbevirolaš guovllus. Sápmi sátni gávdno buot sámi suop­maniin. Dat vuolgá dan namas maid sámit ieža geavahit alcceseaset, sámit dahje sápme­­ laččat. Ovdalaš áigge gohčoduvvojedje sápmelaččat iešguđetlágan namahusaiguin eará gielain, nu go «lapper» dahje «finner» dárogillii, «lappar» ruoŧagillii ja «lappalaiset» suoma­ gillii.      


 

die Samen Sápmi Samerna Sápmelaš

 

 

 

Nun habe ich schon als Kind gelernt, dass ich immer neugierig sein soll und dass ich meinem Gehirn nichts Fröhlicheres anbieten könnte, als zu lernen. Ich bin dem Rat meines Vaters gefolgt und war neugierig und es hat Spaß gemacht, zu lernen (intracranial self-stimulation), Siehe James Olds und Peter Milner, "Positive reinforcement produced by electrical stimulation of septal area and other regions of rat brain" in Journal of Comparative and Physiological Psychology. 1954 Dec; 47(6), sowie Hans E. Utz: „Zur Bedeutung der Neurowissenschaften für die Pädagogik – Eine Zwischenbilanz über den Nutzen neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der Heilpädagogik.“ in der Fachzeitschrift des Berufs- und Fachverbandes Heilpädagigik e.V. Teil I: Heft 2006/3 und Teil II: Heft 2006/4, Angeline Lillard und Nicole Else-Quest: „Evaluating Montessori Education.“ Science 313, 2006, und Torkel Klingberg: ”Den lärande hjärnan: Om barnsminne och utveckling”. Stockholm, Natur & Kultur, 2011 und schließlich die Arbeiten von Graichen, 1979, 1992, 1999.

 

Oder um es kurz zu machen: Ich lerne gerne! Das verursacht Freude und Zufriedenheit! Zur Nachahmung empfohlen.


Samisch Samen Sapmi Sprache Lulesamisch Nordsamisc
Samische Pflanzen in Laponia - Schwedisch, Lulesamisch, Nordsamisch